Weltladen Müritz in Röbel/Müritz(Mecklenburg)

Inh. Jörg Kemmereit
Am 04.04.2010 eröffnete ich Jörg Kemmereit(51 Jahre) einen kleinen Weltladen an der Müritz. Röbel mit seinen 5196 Einwohnern liegt direkt am größten reindeutschen Binnensee der Müritz. Wir haben hier eine gute touristische Infrastruktur und der Urlaubssuchende findet hier das passende für seine Erholung, ob unberührte Natur, Erkundung mit dem Rad, Schiff oder zu Fuß.
Seit 2006 bin ich selbständig tätig und rückblickend ist mein Konzept aufgegangen. Durch meine Zimmervermittlung und Touristinformation am Ziegenmarkt, als zweite Anlaufstelle für Informations-Übernachtungssuchende der Stadt, habe ich einen touristischen Anlaufpunkt geschaffen. Der Müritzradrundweg geht hier am Ziegenmarkt vorbei und es entstand auf dem Innenhof eine Ruheoase für Radwanderer. Ein Mecklenburger Hoflädchen und ein Hofcafé rundete die Gästebetreuung ab. Auch das Backen mit Vollkornmehl vom Mühlenhof Altkahlen habe ich erlernt. Im Vertrauen, wo bekommt man täglich ofenfrischen hausgemachten Kuchen nach alten Mecklenburger Rezepten?
Ruheoase
Auf einer Fläche von 25 m² gibt es vorwiegend fair gehandelter Kaffee, Tee, Seife, Spielzeug, Filzprodukte, Tücher, Keramikprodukte, Speckstein und vieles mehr. Mit den hier angebotenen Waren möchte ich zugleich auf mehr Gerechtigkeit in der Welt hinweisen – das ist mein Beitrag. Die Kombination Weltladen und Café hat eine sehr gute Resonanz bei den Gästen und Einheimischen hervorgerufen. Kaffee nimmt in der Rangliste der Weltwirtschaftsgüter dem 2. Platz hinter Erdöl ein. Dies verdeutlicht, welchen Stellenwert Kaffee auf dem gesamten Globus hat und man kann sich vorstellen, wie viele Menschen mit, bzw. durch den Anbau, Verarbeitung und Vertrieb von Kaffee ihr tägliches Brot verdienen. Kein anderes Getränk wird so häufig getrunken wie Kaffee, umso erstaunlicher ist es, wie wenig die meisten Kaffeetrinker über dieses wunderbare Getränk wissen. Es ist leider so, dass häufig in Cafés, Restaurants und Hotels die Kenntnis über die Materie Kaffee sehr unzureichend ist. In meinem Hofcafé ist dies nicht der Fall. Ich kläre meine Gäste und Interessenten über die Herkunft, Anbau, Verarbeitung, Soziale Strukturen und den Fairen Handel auf. Durch die vielen angebotenen Tee und Kaffeesorten hat sich die Qualität im Kaffee sehr verbessert. Seit der Eröffnung habe ich bei El-puente 200Kg Kaffee geordert.
Was hatte mich bewogen privatwirtschaftlich einen Weltladen hier im Müritzkreis zu eröffnen? Ehrlich. Eigentlich war es die Idee meiner Frau. Es reizte Sie schon immer in Weltläden sich umzuschauen. Zu DDR Zeiten bereiste ich, als Seemann, viele Länder Lateinamerikas und Afrikas. Ich lernte unseren Wohlstand schätzen, da ich viel Ungerechtigkeit und Armut gesehen habe. Die Seefahrt prägte mein Leben und veränderte meine Weltanschauung. Etwas Gutes tun, anderen Menschen helfen und zu mehr Gerechtigkeit in den Handelsbeziehungen zwischen den Ländern des Südens und des Nordens jetzt beitragen zu können, wird eine neue Herausforderung für mich sein.
Also begann ich Anfang März mit den Recherchen über die Weltläden in Deutschland. Es viel mir dabei auf, das wir in Mecklenburg nur wenige Standorte haben. Außerdem sind anteilig von der Vielzahl der Weltläden nur wenige Mitglieder im Weltladendachverband organisiert. Nach einem persönliche Kontakt mit Frau Kiep (Fair Handelsberaterin in Rostock), anschließender Vorortbesichtigung und einen konstruktiven Erfahrungsaustausch, entschloss ich mich den Weltladen Müritz zu gründen und wurde Mitglied im Dachverband. Ich sehe es nicht als zusätzliche Belastung und bewirtschafte den Weltladen allein in der Vor- und Nachsaison. In der Hochsaison habe ich zwei Mitarbeiterinnen im Café als Unterstützung. Da mein Konzept drei Säulen hat (Zimmervermittlung, Café, Hoflädchen-Weltladen) trage ich mich wirtschaftlich selber und die Einnahmen aus dem Weltladen Müritz sind zusätzlich.

Workshop
Im August beteiligte ich mich in Zusammenarbeit mit Herrn Daniel Scheidsteger
an der Aktion “Perspektivenwechsel” – Internationale Jugendbegegnung in Röbel/Müritz – Veranstaltet vom NIG e.V. Rostock (Norddeutsche Jugend in internationalen Gemeinschaftsdiensten) gefördert durch das EU-Programm “Jugend in Aktion mit Teilnehmenden aus Deutschland, Estland, Italien, Polen und der Slowakei (ca. 30 Personen im Alter von 16-25 Jahren). Die internationalen Teilnehmer konnten vor Ort im Weltladen Müritz alles über fairen Handel, soziale Ungerechtigkeit und den Kaffeeanbau erfahren. Sehr hilfreich dabei war die Präsentation DVD der GEPA in Englisch. Natürlich gab es ofenfrischen Kuchen und Kaffeeverkostungen.

Wandergesellen
Am 06. Oktober 2010 hatten wir als Müritz-Nationalpark-Partner zum ersten Partner-Tag an der Müritz eingeladen. Von den 40 Partnern aus Gastronomie, Tourismus und Landwirtschaft präsentierten sich 23. Zum Tag der offenen Tür hatte sich das Hofcafé und der Weltladen natürlich etwas ganz Besonderes einfallen lassen. Frisch gebackener Obst-Streuselkuchen duftete bereits im großen Toreingangsbereich und auch der Kaffee aus dem Weltladen Müritz. Im Mittelpunkt stand an diesem Tag Kaffee unter anderem aus Mexiko und Kolumbien. Auch international ging es an diesem Tag zu. Österreicher, Wandergesellen und viele andere besuchten das Hofladchen und ließen sich Kaffee und Kuchen schmecken. „Wir sind anders als andere”, beantwortete ich gern die Fragen der Gäste. Weitere Informationen zum Fairen Handel rundeten so diesen tollen Tag im Hofcafé am Ziegenmarkt ab.
Als Schaufenster nach Außen programmieren mein Sohn Ronny und ich, gerade das Internetportal www.weltladen-mueritz.de .
Da ich ganzjährig geöffnet habe werde ich mich demnächst mit unserer Regionalschule und dem Gymnasium in Röbel/Müritz in Verbindung setzen, um den Sozialkunde Unterricht „Fairer Weise „anschaulicher zu gestalten.








